Einmal richtig kaufen

27. Juli 2026

Warum Geräte heute schneller kaputtgehen — und was wirklich dahintersteckt

Die Lebensdauer sinkt, das ist messbar. Aber die Erklärung, die alle im Kopf haben, ist nicht belegt. Das macht die Sache nicht besser — nur anders.

„Die bauen das absichtlich so, dass es kaputtgeht." Diesen Satz hört man überall, und er fühlt sich richtig an. Die Waschmaschine der Großmutter lief dreißig Jahre, die eigene ist nach sechs hinüber.

Das Umweltbundesamt hat genau das untersuchen lassen — über mehrere Jahre, mit Daten zu tatsächlichen Nutzungsdauern. Das Ergebnis ist unbequem, aber es hilft beim Einkaufen mehr als die einfache Erklärung.

Was gesichert ist: Die Geräte gehen früher kaputt

Der Anteil großer Haushaltsgeräte, die innerhalb der ersten fünf Jahre wegen eines Defekts ersetzt wurden, hat sich in neun Jahren mehr als verdoppelt:

JahrAnteil Großgeräte, die in den ersten 5 Jahren defekt ersetzt wurden
20043,5 %
20138,3 %

Das ist keine gefühlte Verschlechterung, das ist eine gemessene. Besonders deutlich fällt der Rückgang der Erstnutzungsdauer bei Fernsehern aus.

Was nicht nachgewiesen werden konnte: die eingebaute Sollbruchstelle

Die Untersuchung hat gezielt nach Belegen für geplante Obsoleszenz gesucht — also nach Bauteilen, die absichtlich so ausgelegt sind, dass sie nach Ablauf der Gewährleistung versagen. Gefunden wurde sie nicht.

Ich schreibe das hin, obwohl es unpopulär ist. Es ändert nämlich, worauf man beim Kauf achten muss.

Wenn es keine Sollbruchstelle gibt, nützt es nichts, nach der „ehrlichen Marke" zu suchen. Man muss auf die Konstruktion schauen.

Die drei Gründe, die es tatsächlich sind

1. Preisdruck frisst die Reserven

Geräte sind über Jahrzehnte real billiger geworden. Gespart wird dort, wo der Kunde es beim Kauf nicht sieht: dünnere Bleche, Kunststoff statt Metall bei Lagern und Zahnrädern, verklebt statt verschraubt, Elektronik statt Mechanik. Nichts davon ist Absicht im Sinne von Sabotage — es ist die logische Folge davon, dass im Laden nur der Preis verglichen wird.

2. Ein Defekt an einer Stelle legt das ganze Gerät still

Früher war ein Bauteil ein Bauteil. Heute sitzt es oft auf einer Platine, die nur komplett getauscht werden kann, oder in einer verklebten Einheit. Die Reparatur kostet dann so viel wie ein neues Gerät — und damit ist die Entscheidung gefallen, ohne dass jemand sie bewusst getroffen hätte.

3. In einem Drittel der Fälle war gar nichts kaputt

Das ist der überraschendste Befund: Bei rund einem Drittel der ersetzten Geräte war der Grund kein Defekt, sondern der Wunsch nach einem besseren Gerät. Größerer Fernseher, sparsamere Waschmaschine, schöneres Design.

Auch das ist keine Kleinigkeit für die eigene Kasse. Es bedeutet nur: Ein Teil des Problems sitzt nicht in der Fabrik, sondern im Kaufimpuls.

Was daraus für den nächsten Kauf folgt

Vier Fragen, die mehr bringen als jede Bestenliste

Ab 2026 kommt eine weitere Frage dazu, und die ist neu: Reparierbarkeit wird gesetzlich zu einer zugesicherten Eigenschaft. Was das konkret bedeutet, steht im nächsten Artikel.

Quellen

Die Zahlen 3,5 % / 8,3 % beziehen sich auf die Erhebungsjahre 2004 und 2013. Eine neuere Erhebung in dieser Form liegt mir nicht vor — wenn du eine kennst, schreib mir gern.